Kreativität ist ein komplexer Vorgang. Sind wir dann kreativ, wenn wir es schaffen, uns durch ein gewagtes Manöver auch in die unmöglichste Parklücke zu quetschen? Wenn wir uns endlose Geschichten ausdenken, damit unsere Kinder endlich einschlafen? Oder muss man ein Gemälde malen, ein Musikstück komponieren und die Wohnung vollkommen einzigartig dekorieren, um als kreativ durchzugehen?

In der Psychologie versteht man unter Kreativität eine Fähigkeit, die dazu führt, dass man Leistungen erbringt, die originell, produktiv und nützlich sind. Doch diese Definition ist schwer umstritten. Auch ein sogenanntes flüssiges Denken steht mit Kreativität in Verbindung. Das bedeutet, dass es kreativen Menschen leichter fällt, um die Ecke zu denken und zum Beispiel möglichst viele Verwendungsmöglichkeiten für einen Gegenstand wie eine Gabel aufzuzählen, bei denen weniger kreativen Menschen nur die Verwendung einfallen würde, Essen damit zu verspeisen.

Denkt man an die berühmten Künstler der letzten Jahrhunderte, so ergibt sich eine lange Reihe höchst kreativer Personen, die allerdings auch häufig mit starken inneren Dämonen zu kämpfen hatten. Die Frage, inwiefern Kreativität mit psychischen Problemen assoziiert ist, beschäftigt die psychologische Forschung seither. Auch in der Intelligenzforschung spielt das Konstrukt der Kreativität eine große Rolle. Forscher fanden heraus, dass Menschen mit hoher Kreativität vermutlich auch einen eher überdurchschnittlich hohen Intelligenzquotienten haben. Andersherum geht diese Rechnung allerdings nicht auf, denn hochintelligente Menschen müssen nicht zwangsläufig kreativ sein. So kann es sein, dass auch außerordentlich kluge Menschen an Problemen wie einer Schreibblockade leiden. Um diese und ähnliche Probleme zu überwinden und die eigene Kreativität anzukurbeln, kann es helfen, sich einige Eigenschaften kreativer Menschen abzuschauen und in den eigenen Alltag zu integrieren.

Kreative Menschen arbeiten gerne zu den Tages- und Nachtzeiten, die sich für sie am produktivsten anfühlen. Das kann ein normaler und gewöhnlicher Tagesablauf sein, doch auch die frühen Morgenstunden sowie die Stille der Nacht wird von Künstlern sehr geschätzt. Gerade am Morgen, wenn der ganze Tag noch vor einem liegt und der Druck, etwas schaffen zu müssen einer Atmosphäre freiwilliger Kreativität weicht, kommen auch bei weniger kreativen Menschen erstaunliche Ergebnisse zustande. Die Kraft der Dunkelheit in der Nacht liegt ebenfalls daran, dass sie ein produktives Schaffen ermöglicht, in dem keine Zwänge herrschen und die Ablenkungen des Tages sich minimieren. Allein die Veränderung einer Routine kann bereits dazu führen, dass du auf neue Ideen kommst und sich die unmögliche Arbeit plötzlich wieder etwas angenehmer anfühlt.

Ein weiterer Faktor, der kreative Menschen von anderen unterscheidet, ist der Umgang mit sogenannten Fehlern. Auch wenn es von außen oft so scheint, als würden Musiker und Künstler nur einen Nachmittag ein bisschen an ihren Werken basteln und schon ist etwas von künstlerischer Bedeutung entstanden, so ist es doch vielmehr so, dass auch bei ihnen nur Ausdauer zum Erfolg führt. Die Fehler, die sie machen, halten sie nicht davon ab, ihr Ziel weiter zu verfolgen. Die Neugier danach, die Ursache der Fehler zu finden und irgendwann zu überwinden, ist größer als ihre Frustration. So gehen sie das Risiko ein, Fehler zu machen und bei etwas vermeintlich zu versagen, um einem übergeordneten Ziel nachzugehen. Bei nicht kreativen Menschen kann es helfen, klare Prioritäten zu setzen. Wenn der Erfolg wichtiger wird als ein möglicher Misserfolg, dann steht fest, dass die kleinen Umwege, die man gehen muss, wenn man einen Fehler macht, weniger wichtig sind als die Aufgabe, irgendwann zum Ziel zu kommen. Sich mit Fehlern auseinanderzusetzen, zu ergründen, wodurch die entstanden sind und sie schließlich zu überwinden, stößt große Denkprozesse an, die mit denen kreativer Menschen vergleichbar sind.

Ein weiteres Konzept, das Kreativität fördert, ist das des sogenannten Work Flows. Dieser Begriff bezeichnet einen Zustand, in dem sich die Arbeit nicht mehr wie Arbeit anfühlt oder als aktive Tätigkeit wahrgenommen wird, sondern man vollkommen in dem, was man gerade tut, versinkt. Während eines Work Flows fühlst du dich ruhig und konzentriert und blendest von ganz alleine sämtliche Ablenkungen aus. Jeder Mensch kennt irgendeine Tätigkeit, die ihn alles andere vergessen lässt. Für manche kann das eine Sportart sein, für wieder andere eine handwerkliche Tätigkeit wie Nähen oder Schreinern und manche Menschen kommen beim Kochen und Backen in einen Work Flow. Diese Phasen regen die Kreativität insgesamt an und müssen nicht unbedingt auf eine Schreibblockade im Job bezogen sein. Der Zustand des Work Flow bringt die Gedanken in Fahrt und kann auch dazu führen, dass dir bei einer vollkommen anderen Tätigkeit plötzlich die zündende Idee für dein Problem kommt. Bei der Arbeit am Computer ist es übrigens nur dann möglich, in einen Work Flow zu kommen, wenn das Internet ausgeschaltet ist und man nicht von eintreffenden Emails herausgerissen wird. Dasselbe gilt für das Smartphone, das am besten stumm geschaltet in einem anderen Raum liegt, während man seiner Work Flow Beschäftigung nachgeht.

Ein weiterer mentaler Zustand, der dabei helfen kann, mehr Kreativität zu entwickeln, ist Achtsamkeit. Auch hierbei geht es darum, einen möglichst klaren und fokussierten Verstand zu fördern, um so die eigene Kreativität zu steigern. Denn nur, wenn man den wartenden Abwasch, die Klamotten in der Reinigung und all die anderen nervigen Dinge des Alltags ausblenden kann und sich nicht von ihnen einschränken lässt, kann man sich auf die Lösung der Probleme konzentrieren, denen man Priorität eingeräumt hat. Meditation trainiert den permanent angeforderten Geist, zur Ruhe zu kommen und sich auf den Moment zu besinnen. Auch das Gedächtnis wird durch Achtsamkeitsübungen verbessert und das Wohlbefinden steigert sich, da Ängste und Sorgen in den Hintergrund treten und nicht mehr den Großteil der mentalen Kapazitäten einnehmen, so wie es im Alltag leider häufig der Fall ist.

Welcher dieser Tipps dir hilft, im Alltag deine Kreativität anzukurbeln und dadurch Ideen zu entwickeln, die bei der Lösung von Problemen helfen, ist sehr individuell. Grundsätzlich ist es bei dem Gefühl, in einer Sackgasse festzustecken, immer hilfreich, eine kleine Veränderung in den gewohnten Trott zu bringen. Du wirst feststellen, dass auch minimale Einflüsse, die sich von deinem Alltag unterscheiden, viel bewirken können und deine Gedanken aus ihrer üblichen Bahn bringen. Denn fest steht, dass man kein weltberühmter Künstler sein muss, um Probleme auf eine kreative Art und Weise zu lösen. Diese Form der Kreativität kann sich zwar zwischen Personen unterscheiden, doch sie lässt sich auch trainieren und verstärken. So wirst du in Zukunft hoffentlich seltener vor einem weißen Blatt sitzen und überwindest deine Schreibblockaden schneller.