Du möchtest dich bewerben und bist dir aber nicht sicher, wie du das am besten angehen sollst? Nun ja, der Tipp, sich in einer Bewerbung und vor allem im Lebenslauf kreativ, stilistisch und außergewöhnlich von den Konkurrenten abzuheben und aus der Flut an Mitbewerbern herauszustechen, ist nicht mehr unbedingt up to date. Denn ein Trend, der Furore macht und in den USA schon ganz weit vorne liegt: Roboter-Recruiting. Via Definition ist das die Software-Algorithmen gestützte Personalauswahl. Im Klartext heißt das: Spezielle Computerprogramme entscheiden, ob ein Bewerber zur ausgeschriebenen Stelle passt oder nicht. Klingt hart?

Ja, zugegeben das klingt zunächst durchaus hart und sicherlich etwas einschüchternd – Maschinen entscheiden bald über den Menschen, der dann an einem Arbeitsplatz sitzt oder eben nicht. Ob das in deiner Vorstellung nun negative Bilder macht oder nicht, ob es sich zukünftig auch hier bei uns durchsetzen wird oder nicht, ob das gut oder schlecht ist – es gibt viele Befürworter dieser Art, Bewerbungen zu beurteilen. Wieso?

Befürworter verfolgen die These:

Computer sind absolut unbestechlich, vorurteilsfrei und auf eine ganz einfache Weise gerecht. Da geht es nämlich nicht um die Herkunft oder die Vergangenheit eines Bewerbers. Nein, es zählen die reinen Informationen. Der Computer-Algorithmus ist einzig und allein auf die harten Fakten einer Stellenanforderung programmiert und wählt dementsprechend auch genau nach diesen Kriterien aus. Nicht mehr, nicht weniger. Außerdem ein Grund, der dafür spricht: das Unternehmen spart Zeit, die sonst für das Sichten und Lesen der eingereichten Unterlagen drauf gehen würde. Der erste Auswahlprozess ist also bereits erledigt, bevor sich dann ein Mitarbeiter der Personalabteilung mit den Bewerbern befassen und den/die Richtige/n für ein Gespräch auswählen muss. Darüber hinaus propagieren Unternehmen, die dieses Verfahren bereits anwenden, als eindeutigen Mehrwert: die Trefferquote, den einen perfekten Mitarbeiter zu finden, sei durch Roboter-Recruiting eindeutig gestiegen. Dadurch kann also weitestgehend ausgeschlossen werden, dass ein Kandidat die Probezeit nicht übersteht, und der Bewerbungsprozess von vorne los gehen muss.

Matching oder Mismatching – das ist hier die Frage

Um dich für den Fall der Fälle zu rüsten, solltest du in deiner Bewerbung in Hinblick auf das Roboter-Recruiting auf einige Punkte besonders achten:

  • Das wichtigste ist, dass du die entsprechenden Keywords und Begriffe aus der Stellenbeschreibung sowohl im Lebenslauf als auch in deinem persönlichen Anschreiben verwendest, denn Software-Algorithmen suchen vor allem danach. Beispielweise sind das deine speziellen fachlichen Qualifikationen (Skills), mit denen du schon Erfahrung gesammelt hast oder wo du besondere Fähigkeiten hast. Also, zum Beispiel ob du mehrere Fremdsprachen beherrscht. Diese Schlüsselbegriffe sind im Text einer Anzeige gelistet oder stehen auch ganz klar formuliert im Anforderungsprofil für den Job. Je mehr Übereinstimmungen vorhanden, also je mehr „Matches“ (Treffer) gefunden werden, desto größer sind deine Chancen auf die Stelle. Im umgekehrten Fall ist von einem „Mismatch“ die Rede, wenn diese Übereinstimmungen fehlen. Dann ist im ersten Auswahl-Durchgang bereits Schluss.
  • Deine Bewerbung sollte so klar und übersichtlich aufgebaut sein wie möglich. Achte auf einfache und strukturierte Abschnitte, die du am besten mit verständlichen Überschriften betitelst. So werden die einzelnen Stationen deines beruflichen Werdegangs durch den Computer-Algorithmus eindeutig erkannt und zugeordnet.
  • Vermeide auf jeden Fall jegliche Art von Ausschmückung oder Firlefanz in der Beschreibung, sowohl in der Sprache als auch im Design. Sei authentisch und ehrlich. Die einzige Ausnahme wäre: es ist explizit gewünscht, weil es sich zum Beispiel um einen kreativen Job handelt.
  • Formuliere Fähigkeiten und spezielle Tätigkeiten oder Erfahrungen, die für die Stelle relevant sind, klar und eindeutig. Je mehr Skills vorhanden sind, desto besser die Aussicht auf Erfolg.
  • Verzichte auf zeitliche Lücken im Lebenslauf. Das gilt übrigens sowohl für das Roboter-Recruiting als auch für den Personaler vor Ort, der deine Bewerbung persönlich begutachtet. Aber die Computer-Software entdeckt solche Schwachstellen schneller und agiert einfach radikaler. Sitzt man einem Personalmanager gegenüber, kann man den Punkt „Auslandsaufenthalt“ vielleicht noch plausibel erklären. Ein Computer ist an dieser Stelle leider absolut unbestechlich.
  • Auch wenn es selbstverständlich sein sollte: Achte auf fehlerfreie Unterlagen.

Ob sich das Roboter-Recruiting zur Auswahl des besten Profils eines Kandidaten oder des „optimalen“ Mitarbeiters durchsetzen wird, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Fakt ist, dass immer mehr Unternehmen diese Methode nutzen, bzw. ausprobieren (werden). Darauf müssen sich Bewerber in der heutigen Zeit einstellen. In der Praxis wird sich zeigen, ob sich Roboter-Recruiting zu einem gängigen Modell entwickeln wird.