Kritikfähig, wer ist das schon? Ich ganz bestimmt!

Wurde dir auch schon einmal die Frage gestellt, ob du Kritik annehmen kannst? Selbstverständlich, lautet zumeist die intuitive Antwort darauf. So würde man es schließlich auch lautstark vor dem potenziellen Arbeitgeber beim ersten Vorstellungsgespräch behaupten. Wenn es im Job dann erstmals dazu kommt, dass Kritik an einem geäußert wird, musst man dennoch erst einmal schlucken. Gewiss ist man kritikfähig, doch ist diese eigener Ansicht nach nicht oder nur zum Teil angemessen. Schließlich handle man doch stehts überlegt und nach bestem Ermessen. Wenn man sich schließlich ein zweites und drittes Mal rechtfertigen muss, beginnt so manch einer – schweren Herzens – die anfängliche Behauptung zu überdenken…

Schmerzlich stellt man sich erneut die Frage nach der eigenen Kritikfähigkeit. Eine Frage, die nur zu gerne vorschnell zu den eigenen Gunsten beantwortet wird. Wer geht nicht davon aus, man selbst könne Kritik annehmen und umsetzten. Doch ist es auch tatsächlich so? Wahrscheinlich hast du es bereits getan, falls nicht, stelle dir doch einmal selbst die Frage: Kann ich Kritik üben und annehmen?

Kritik annehmen können ist eine Königsdisziplin und zugleich auch Grundvoraussetzung im Sinne der Persönlichkeitsentwicklung. Ohne diese Fähigkeit ist persönliche Entwicklung nur schwer möglich. Wie sonst sollen wir über uns selbst hinauswachsen, wenn nicht durch die konstruktive, sachliche Kritik anderer. Erst wenn wir Kritik annehmen können, gelingt es diese auch umzusetzen.

Kritik begegnet uns überall, sowohl im beruflichen als auch im privaten Alltag. Deshalb ist die Frage „Wie mit Kritik umgehen?“ essenziell und einer genaueren Betrachtung wert.

Doch was bedeutet Kritikfähigkeit eigentlich?

Kritikfähigkeit bedeutet, Kritik annehmen können, die sachlich formuliert und gerechtfertigt ist. Sie ist als persönliche Kompetenz zu verstehen, die es dir ermöglicht, angemessen mit Kritik umzugehen. Damit ist jedoch nicht nur gemeint, selbst angemessen zu reagieren, wenn du oder deine Arbeit kritisiert werden. Kritikfähigkeit meint auch, dass du dazu fähig bist, anderen gegenüber Kritik zu äußern.

Dabei ist Kritik als Beurteilung eines Gegenstandes oder einer Handlung, basierend auf den Maßstäben einer weiteren Person, zu verstehen. Leider ist das Wort „Kritik“ stark negativ behaftet. Dabei ist Kritik nicht – wie so oft gedeutet – ausschließlich als etwas Negatives zu verstehen. Viel mehr bietet dir Kritik die Chance, dich selbst und andere zu verbessern. Letztlich lernt man durch Kritik weitaus mehr als durch Lob.

Wie mit Kritik umgehen?

Du möchtest Kritik annehmen können, um daraus zu lernen? Mit den folgenden 7 Schritten gelingt es dir fortan besser mit Kritik umzugehen.

Mit Kritik richtig umgehen – in 7 Schritten:


1. Distanz wahren
Halte dir stehts vor Augen: Die Kritik richtet sich nicht direkt gegen dich persönlich, sondern betrifft einen bestimmten Sachverhalt oder eine konkrete Situation. Versuche daher, eine gewisse Distanz zur geäußerten Kritik einzunehmen. Konzentriere dich auf das Problem, anstatt auf dein angekratztes Ego. Davon hast du weitaus mehr!


2. Richtig zuhören
Auch wenn dir ein Konter bereits auf der Zunge liegt, ehe du auf die Kritik reagierst, solltest du dein Gegenüber vollständig aussprechen lassen. Höre dir genau an, was der andre zu sagen hat. Höre richtig zu!


3. Dankbarkeit zeigen
Es mag vielleicht paradox klingen, doch du darfst dich für die Kritik ruhig in Dankbarkeit üben. Bedanke dich allen voran für das Feedback und die Anregungen und betrachte die Kritik als einen Lösungsvorschlag für ein gemeinsames Problem.


4. Zusammenfassen
Nach dem du dein Gegenüber vollständig hast aussprechen lassen und dich für dessen Anregungen bedankt hast, fasse das Gesagte nochmals zusammen. Wiederhole die Kritik und frage nach, ob du sie richtig verstanden hast. Oft sind es Missverständnisse, die Probleme entstehen lassen.


5. Nachfragen
Wir wissen, dass sowohl Kritik üben als auch Kritik annehmen schwierig sein kann. Versuche daher dein Gegenüber nicht zu verurteilen, sollte die Kritik keinen konstruktiven Lösungsvorschlag beinhaltet. In diesem Fall frage nach, welche konkreten Verbesserungsvorschläge gewünscht werden.


6. Abwehrhaltung vermeiden
Auch wenn du dich intuitiv rechtfertigen und verteidigen möchtest, bleibe ruhig und gelassen. Versuche deinen Standpunkt nicht sofort, aus der Pistole herausgeschossen, zu rechtfertigen, sondern erkläre ruhig, weshalb du so gehandelt hast und was du dir dabei gedacht hast.


7. Gemeinsam weiterdenken – Kritik umsetzen
Sobald der Sachverhalt geklärt ist, gilt es die Kritik umzusetzen. Versuche mithilfe der Kritik weiterzudenken und neue Vorschläge zu machen, um das Problem zu lösen. Vielleicht könnte ihr auch gemeinsam an einer Problemlösung arbeiten.

Kritikfähigkeit lernen

Kann man Kritikfähigkeit lernen? Kein Meister ist je vom Himmel gefallen und auch Kritikfähigkeit kann erlernt werden. Den wenigsten fällt es auf Anhieb leicht, Kritik wertfrei anzunehmen und umzusetzen. Denn kritisiert zu werden, fühlt sich zumeist erst einmal nicht sonderlich gut an, egal, ob sie von deinem/r Professor/in, Kollegen/in oder Freund/in stammt.

Um Kritikfähigkeit zu lernen, ist es zunächst einmal wichtig, genau zu beobachten und wahrzunehmen, wie man selbst auf Kritik reagiert. Beobachte dich daher aufmerksam (und ohne zu werten!) in Situationen, in denen du kritisiert wirst. Nimm wahr, welche Gefühle und Emotionen bei Kritisierungen in dir entstehen. Was sagst oder tust du? Und was denkst du, wenn du kritisiert wirst?

Nach dem du dein Selbststudium abgeschlossen hast, kannst du entscheiden, ob und was du an deinem Verhalten ändern möchtest. Überlege dir genau, wie du in Situationen reagieren möchtest, in denen du kritisiert wirst. Ein guter erster Schritt könnte beispielsweise so aussehen, dass du dich zukünftig zunächst einmal für Kritik bedankst und verdeutlichst, dass du dir über die Anregungen Gedanken machen wirst. Dieser erste Schritt verhilft dir dabei, dich nicht gleich recht zu fertigen, zu verteidigen oder gar einen Gegenangriff zu starten.

Um nicht zu emotional oder energisch auf die Kritik zu reagieren, kann es auch hilfreich sein, erst einmal tief durchzuatmen. Versuche dann, ganz ohne Hast und in Ruhe, zu antworten. Bemühe dich, dich auch in die Lage des anderen hineinzuversetzen und schildere anschließend ruhig und gelassen deine Sicht der Dinge. Führe dir immer wieder vor Augen, dass Kritik per se nichts Schlechtes ist, sondern ganz im Gegenteil, dir die Möglichkeit zur Verbesserung und Weiterentwicklung bietet.

Wie äußere ich Kritik?

Kritikfähig sein, bedeutet nicht bloß Kritik annehmen zu können. Umgekehrt ist es mindestens genauso wichtig, Kritik äußern zu können. Dabei gilt: Kritik ist nicht gleich Kritik! Anstatt zu werten und persönlich anzugreifen, gilt es konstruktive Kritik zu äußern. Diese beinhaltet neben der Offenlegung des Problems auch einen Vorschlag zur Verbesserung oder zu dessen Lösung. Das bedeutet, dass du als Kritiker nicht nur sagst, was alles schlecht ist, sondern zugleich auch Möglichkeiten aufzeigst, wie man etwas verbessern oder beim nächsten Mal richtig machen kann. Eine derartige Beurteilung erleichtert es deinem Gegenüber die Kritik umsetzen zu können und kann so produktiv zur Problemlösung beitragen.

Außerdem wichtig: Zu Kritik gehört auch Lob! Erwähne also nicht nur negative Aspekte in deiner Kritik, sondern erinnere dich auch daran Positives einzubauen und dein Gegenüber zu loben.

Fazit

Kritik annehmen können ist nicht immer leicht. Oft fassen wir Kritik persönlich auf und wertet sie zunächst als Angriff gegen uns selbst. Doch Kritik ist eine großartige Chance, um zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Höre deinem Gegenüber daher aufmerksam und vollständig zu, bedanke dich für die Anregung und vergewissere dich, dass du diese auch richtig verstanden hast. Widerstehe dem Impuls, dich gleich zu rechtfertigen oder gar zu verteidigen. Kritik umsetzen gelingt nur dann, wenn diese auch von dir angenommen wird. Dafür ist es notwendig, sich auch in die Perspektive des anderen hineinversetzten zu können.

Hast du die Kritik aufgenommen, kannst du ruhig und sachlich erklären, weshalb du so gehandelt hast und was du dir dabei gedacht hast. Dadurch gelingt es auch deinem Gegenüber, dich besser zu versehen.

Im Anschluss daran solltest du ehrlich zu dir selbst sein und evaluieren, ob die Argumente des anderen greifen oder nicht. Sind die Argumente überzeugend, kannst du die Kritik dankend annehmen und bei zukünftigen Herausforderungen anwenden. Andernfalls kannst du sachlich argumentieren, welche Vorteile dein Ansatz bietet. Wer weiß, vielleicht entsteht durch das gemeinsame Abwägen und Vergleichen der beiden unterschiedlichen Ansätze ja eine neue Ideallösung.