Es ist soweit: Die Zusage ist gekommen, der Studienbeginn rückt näher, eine Wohnmöglichkeit muss gefunden werden. Wer nicht allein wohnen will, versucht es mit einer Wohngemeinschaft. Besonders hier gibt es viel zu beachten. Bezahlbarer Wohnraum ist begrenzt, die Nachfrage groß und bestehende Wohngemeinschaften wählerisch. Meist wird ein WG-Casting durchgeführt, um einen passenden Mitbewohner zu finden. Der Umfang dieser Castings variiert drastisch: Vom lockeren Gespräch über mehrseitige Tests und versuchte Psychoanalysen ist alles dabei. Hier entscheidet vor allem Durchsetzungsvermögen und Sympathie.

„Mamasöhnchen raus!“ – Der erste Eindruck

Entscheidend ist, wie so oft, der erste Eindruck. Mit den Eltern im Gepäck wird niemand in der WG glauben, dass du selbstständig bist und deine Wäsche auch allein auf die Reihe kriegst. Auch wenn sie noch so sehr wollen oder du dich noch so unsicher fühlst, lass sie besser zuhause. Was du mit deinen Eltern außerdem daheim lassen kannst: Geschenke. Sie wirken, als könntest du nicht mit deiner Persönlichkeit überzeugen und müsstest mit Pralinen oder Bier bestechen.

Worauf du noch verzichten solltest:

  • Über andere WGs lästern. Klatschmäuler kommen nie gut. Auch wenn du noch so verzweifelt von vergangenen Besichtigungen bist, verlier kein schlechtes Wort über sie. Sonst muss sich die WG fragen, ob du auch anfängst sie schlechtzureden, sobald du aus der Haustür bist.
  • Deine Verzweiflung raushängen lassen. Die Suche nach einem geeigneten Zimmer ist schwer, dafür hat jeder Verständnis. Aber mit deiner Verzweiflung punktest du nicht, sondern erregst Mitleid. Es macht dich nicht sympathischer, nur weinerlicher.
  • Zu viel schön reden. Kleine Notlügen hier und da sind immer Teil des Bewerbungsprozesses. Wichtig ist: nicht übertreiben! Es bringt weder dir, noch deinen zukünftigen Mitbewohnern, etwas, wenn ihr in der Kennenlern-Phase nur Märchen erzählt und später im WG-Leben dann alles drunter und drüber läuft.

Halte dir immer vor Augen, dass ein WG-Casting eigentlich ähnlich ist wie neue Freunde finden. Man macht sich hier und da vielleicht etwas besser als man ist und will in jedem Fall einen guten Eindruck machen, im Endeffekt zählt aber nur, dass man auf einer gemeinsamen Wellenlänge ist. Denn was schnell untergeht: Es ist nicht nur wichtig, was die WG von dir hält, sondern auch, was du von der WG hältst. Wenn dir der Bewerbungswahnsinn mit Bilder malen, Fragerunde und Polizei-Verhör also zu bunt ist, dann geh. Wenn dir schon ihr Aussortierungsverfahren nicht gefällt, sind die Leute auch nicht die richtigen Mitbewohner für dich.