Du möchtest dich voll und ganz auf dein Studium konzentrieren, deine Eltern können aber nicht alle Kosten übernehmen, die in den nächsten Jahren auf dich zukommen werden? Es gibt verschiedene Alternativen zu Bafög und Nebenjob. Mit etwas Glück und Geduld findest du eine Studienfinanzierung, die es dir ermöglicht, dich voll und ganz auf dein Studium zu konzentrieren.

Stipendien – mehr als die Finanzierung deines Studiums

Wer ein Stipendium ergattert, hat in der Regel das große Los gezogen. Zwar orientiert sich die Höhe des Stipendiums oftmals am aktuellen Bafög-Satz, im Gegensatz zum Bafög ist ein Stipendium aber ein Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss. So kannst du nach dem Studium unbeschwert in das Berufsleben starten. Dafür musst du lediglich etwas Zeit investieren, um das für dich passende Stipendium ausfindig zu machen. Dabei ist das Stipendium nicht nur Geld wert. Es erleichtert dir zudem den Karrierebeginn. Denn die Bildungsförderer sind nicht nur daran interessiert, den Lebensunterhalt ihrer Stipendiatinnen und Stipendiaten zu finanzieren. Diverse Veranstaltungen und Workshops dienen dazu, die Stipendiaten untereinander zu vernetzen. So lernst du aktuelle und ehemalige Studierende kennen, die dir wertvolle Tipps und Tricks für den Einstieg ins Berufsleben geben. So hilft dir das Stipendium nicht nur, dein Studium zu finanzieren, sondern ermöglicht zudem einen gelungenen Start ins Berufsleben. Stipendien gibt es übrigens nicht nur als Vollfinanzierung für das ganze Studium, sondern auch für einzelne Studienabschnitte. Heiß begehrt sind beispielsweise Förderungen für Auslandsaufenthalte und für die Prüfungsphase am Ende des Studiums.

Begabtenförderung: Studienstiftung des deutschen Volkes

Am einfachsten ist es, eine Studienfinanzierung zu erhalten, wenn du hervorragende Noten hast. Viele Stipendien sind explizit als Elitenförderung gedacht. Dies trifft vor allem auf die Studienstiftung des deutschen Volkes zu. Diese Stiftung hat zudem den Netzwerkgedanken perfektioniert. Alumni wählen die neuen Stipendiaten aus, indem sie am Auswahlprozess beteiligt werden. Lange Zeit konnte man in das Programm der Studienstiftung nur aufgenommen werden, wenn man von der eigenen Schule oder in den ersten Semestern von einem Dozent oder einer Dozentin, die selbst von der Stiftung gefördert wurden, vorgeschlagen wurde. Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit der Bewerbung für einen Auswahltest. Wer diesen besteht, hat eine Chance als Stipendiat aufgenommen zu werden. Bewerben können sich Studierende im ersten und zweiten Hochschulsemester. Die Onlineanmeldung ist von Mitte Januar bis Mitte Februar freigeschaltet. Wer teilnehmen möchte, muss eine Gebühr von 25 Euro für Bafög-Empfänger bzw. Studierende aus einem nicht akademischen Elternhaus oder 50 Euro für alle anderen Bewerbergruppen entrichten. Wer besteht, wird in der nächsten Runde gemeinsam mit vorgeschlagenen Studierenden zu einem Auswahlwochenende eingeladen. Weitere Informationen zur Bewerbung findest du auf der Website unter www.studienstiftung.de/studienfoerderung/. Dort findest du auch die Kontaktdaten der Mitarbeiter der Stiftung, die dir bei Fragen gerne weiterhelfen.

Wichtig für die Studienstiftung ist nicht nur, dass du im Bereich deiner Studienfächer gute Leistungen vorweisen kannst, sondern dass du eine gute Allgemeinbildung und Interesse für gesellschaftliche Entwicklungen zeigst.

Parteien als Geldgeber für Studierende

Alle etablierten Parteien in Deutschland verfügen über eigene Studienförderwerke. Diese unterstützen in erster Linie gesellschaftlich aktive Studierende. Daher ist es gut, wenn du mit der Bewerbung bereits ehrenamtliche Mitarbeit vorweisen kannst. Diese zeigt deine Bereitschaft, die Gesellschaft mitzugestalten. Die Namen der einzelnen Stiftung verraten bereits, welcher Partei sie nahe stehen:

  • Die Konrad-Adenauer-Stiftung steht der CDU nahe. Sie fördert junge Talente, die zu den zukünftigen Führungskräften der deutschen Gesellschaft gehören wollen und sich den demokratischen Werten der Stiftung verbunden fühlen. Wie du diese Bedingungen erfüllst und zu einer Auswahltagung eingeladen wirst, erfährst du unter www.kas.de/wf/de/42.34/.
  • Der sozialdemokratischen Idee ist die Friedrich-Ebert-Stiftung verbunden. Politisch Interessierte Studierende, die sich für Toleranz und Offenheit einsetzen und sich durch Kritikfähigkeit und Selbstreflexion auszeichnen, sind hier richtig. Eine Bewerbung ist mit Erhalt der Studienplatzzusage bis zum 31.10. für das Wintersemester und zum 30.04. für das Sommersemester möglich. Weitere Informationen zur Bewerbung und zum Auswahlverfahren gibt es hier www.fes.de/de/studienfoerderung/bewerbung/.
  • Die Heinrich-Böll-Stiftung steht der Partei Bündnis 90/Die Grünen nahe. Du interessierst dich nicht nur für Politik, sondern findest es wichtig, unsere Umwelt zu schützen. Dann kannst du dich über das Onlineportal der Stiftung zum 1. März bzw. 1. September bewerben. Hilfestellungen findest du unter www.boell.de/de/stiftung/bewerbung.
  • Die Freien Demokraten stehen hinter der Friedrich-Naumann-Stiftung. Die Stipendiaten werden auf der Website als Botschafter der Freiheit umschrieben, die sich besonders für gesellschaftliche Belange einsetzen. Spricht dich diese Beschreibung an, findest du weitere Angaben zur Förderung unter www.freiheit.org/deutsche-studierende. Eine Bewerbung ist bereits vor dem Abitur mit Empfehlungsschreiben deiner Fachlehrer möglich. Neben einer finanziellen Förderung bietet die Friedrich-Naumann-Stiftung auch eine ideelle Förderung für Studierende, die Teil des Netzwerks der Stiftung werden möchten.

Engagement der Kirchen für Studierende

Du bist in der Kirche aktiv und lebst deinen Glauben aus Überzeugung? Dann solltest du einmal über eine Bewerbung bei einem kirchlichen Studienförderwerk nachdenken. Ihre Aufgabe ist es, gläubigen jungen Menschen den Karrierestart zu erleichtern. Daher werden meist nur Bewerber der eigenen Konfession gefördert. Daher ist ein kirchliches oder soziales Engagement eine Empfehlung für die Aufnahme als Stipendiat.

Folgende konfessionelle Stiftungen gibt es:

  • Das Cusanuswerk ist eine Einrichtung der katholischen Kirche. Hier kannst du dich bereits vor dem Studienbeginn bewerben. Die Registrierung für das Auswahlverfahren ist bis zum 1. Juli möglich. Weitere Informationen zur Bewerbung für Studienanfänger und Studierende findest du hier www.cusanuswerk.de/foerderung/finanzielle-foerderung/foerderung-von-studierenden.html.
  • Evangelischen Studienwerk e.V. Villigst fördert Studierende dieser Konfession. Die Bewerbung ist für Studierende bis zum 3. Fachsemester möglich. Es gibt jeweils eine Bewerbungsphase für das Winter- und das Sommersemester. Mehr erfährst du unter www.evstudienwerk.de/bewerbung/studium/unser-stipendium.html
  • Angehörige des jüdischen Glaubens können sich beim Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk um eine Studienbeihilfe bemühen. Hier ist neben dem online verfügbaren Formular, ein narrativer Lebenslauf und ein Motivationsschreiben gefordert. Der Nachweis des Engagements erfolgt darüber hinaus über ein Referenzschreiben eines offiziellen Vertreters bzw. einer Vertreterin einer jüdischen Institution. Die guten Leistungen während des Studiums werden durch zwei Empfehlungsschreiben von Mitgliedern des Lehrkörpers der Universität nachgewiesen. Die Formulare sowie weitere Angaben zur Bewerbung sind unter www.eles-studienwerk.de/index.php?id=27 abrufbar.
  • Die Förderung begabter Muslime hat sich das Avicenna-Studienwerk zur Aufgabe gemacht. Hier ist eine Bewerbung zum 1. April oder 1. Oktober möglich. Wie bei den anderen konfessionellen Begabtenförderwerken ist neben hervorragenden Leistungen in Schule und Studium auch Engagement von Vorteil. Zudem wird hier besonderen Wert auf die Begründung für deine Bewerbung gelegt. Weitere Informationen gibt es unter: www.avicenna-studienwerk.de/bewerbung/studierendenfoerderung/

Ein kleiner Zuschuss würde schon reichen?

Neben den Vollstipendien, die es dir ermöglichen sollen, dich voll und ganz auf dein Studium zu konzentrieren, gibt es auch Förderungen, die es dir ermöglichen, den Unterhalt, den du von deinen Eltern bekommst, aufzustocken. Dazu gehört unter anderem das so genannte Deutschlandstipendium. Dieses hat das Ziel, besonders leistungsstarke Studierende zu unterstützen. Nach einer erfolgreichen Bewerbung bekommst du 300 Euro pro Monat. Die Dauer der Förderung kann von einem Jahr bis zur gesamten Studiendauer reichen.

Weitere Fördermöglichkeiten

Neben den bereits genannten Institutionen, bei denen du dich für eine finanzielle Unterstützung bewerben kannst, gibt es noch eine Vielzahl kleinerer Stiftungen und Initiativen. Diese fördern entweder Studierende bestimmter Fachrichtungen oder Universitäten. Hier kann dir der Fachlehrer am Gymnasium oder dein Fachstudienberater an der Universität hilfreiche Tipps geben. Auch gibt es Stiftungen, die Studierende bestimmter Herkunftsregionen fördern. Einen guten Überblick geben dir Portale im Internet, wie www.mystipendium.de, auf denen du gezielt nach Fördermöglichkeiten suchen kannst.