Fragst du dich auch manchmal, warum anderen anscheinend alles leichter von der Hand geht und ihnen alles gelingt? Diese Glückspilze scheinen auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, während du in die einzige Pfütze trittst, die weit und breit zu sehen ist. Du schreibst dich für dein Lieblingsseminar ein – der Dozent wird krank und es fällt aus und du musst zu einem ungeliebten Ersatz. Du hast dich für ein Vorstellungsgespräch vorbereitet, aber der Bus fährt vor deinen Augen weg. Du trägst ein schickes Kostüm und eine Taube erleichtert sich genau über deiner Schulter. Da hilft dir auch der Satz: „Vogelkacke bringt Glück“ nicht weiter. Denn nach Glück fühlt sich das ganz und gar nicht für dich an.

Erkennst du dich selbst in diesen Schilderungen? Vielleicht passieren dir nicht die beschriebenen Dinge, aber ähnliche? Dann haben wir schon den ersten Hinweis darauf, dass du dich selbst sabotierst und zwar durch die Art, wie du das Leben wahrnimmst.

Selbstsabotage hat viele Gesichter

Eigentlich würde man annehmen, dass jeder immer nur das Beste für sich will. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und möchte das, was er kennt. Außerdem sind die meisten nicht mit dem kontinuierlichen Zuspruch aufgewachsen, wir seien toll und es würde schon alles gut gehen. Unser Gehirn möchte Ressourcen sparen, indem wir altbekanntes immer wieder wiederholen. Das bedeutet, wenn wir in der Kindheit zu hören bekamen, wir seien ungeschickt oder Pechvögel, tun wir später unbewusst alles, um diese Sätze wahr werden zu lassen. Natürlich, wirst du erst einmal widersprechen, weil dir dieser Gedanke absurd erscheint, doch denke einmal in Ruhe darüber nach.
Wann hast du zuletzt gesagt:

„Das schaffe ich sowieso nicht.“
„Klar, dass mir das passiert“.
„Ich scheine das Pech gepachtet zu haben.“
„Mann, bin ich doof.“
„Das ist mal wieder typisch für mich.“

Klingelt es bei dir? Es sind genau diese Sätze, mit denen du den Grundstein für deinen Misserfolg legst. Denn aus deinen Gedanken werden Worte und aus deinen Worten werden Taten.

Nun magst du erwidern, es gebe keinen Zusammenhang zwischen deiner Tollpatschigkeit und deinen Gedanken über dich selbst. Der Zusammenhang ist die Art, wie du deine Welt siehst.

Das berühmte halb volle Glas

Ist das Glas für dich halb voll oder halb leer? Diese Metapher ist schon so abgegriffen, dass sie für die meisten von uns an Bedeutung verloren hat. Doch sie ist immer noch gültig und kann dir helfen, deinen Blick auf die Welt und dein eigenes Leben besser zu verstehen. Ich möchte mich hier jedoch von dem Glas verabschieden und dir lieber eine Übung vorschlagen, die du jeden Abend ausführen sollst.
Lege dir ein Tagebuch oder Notizbuch zu und gewöhne dir an, es jeden Abend zu verwenden. Schreibe täglich drei gute Dinge hinein, die dir an diesem Tag passiert sind. Das müssen nicht die richtigen Lottozahlen sein, sondern können auch ganz kleine Dinge sein. Zum Beispiel ein nettes Gespräch mit der Nachbarin, eine pünktlich abgegebene Hausarbeit oder die Überwindung deiner Sprechblockade vor deinen Kommilitonen.
Am Anfang wird dir diese Übung schwerfallen, denn wahrscheinlich hast du wieder kein Wort herausbekommen. Dann waren es andere Dinge, an die du dich erinnern kannst. Egal wie klein sie waren.
Was passiert, wenn du diese Übung konsequent durchziehst? Du änderst deinen Fokus, deinen Blick auf dein Leben ganz automatisch und lernst, ein Optimist zu sein. Den Optimisten passieren nämlich genau so viele gute und schlechte Dinge wie dir. Allerdings stellen diese die guten Ereignisse in den Vordergrund.

Ein Optimist sagt: Das habe ich gut gemacht!
Der Pessimist sagt: War ja klar, dass mir das passiert.

Erkennst du den entscheidenden Unterschied? Der Eine ist aktiv und hat das Gefühl, sein Leben in der Hand zu haben. Der Andere ist passiv und fühlt sich den Ereignissen ausgeliefert.
Doch niemand ist er Welt ausgeliefert, jeder hat sein Leben selbst in der Hand. Oder, wie man früher sagte: Jeder ist seines Glückes Schmied. Doch daran musst du erst glauben! Erst wenn du erkennst, dass du dein Leben tatsächlich selbst in der Hand hast, wirst du es ergreifen und aktiv gestalten.

Selbstsabotage bedeutet auch, sich Unmögliches vorzunehmen – und zu scheitern

Das beste Beispiel dafür sind die viel zu groß angelegten Neujahrsvorsätze. In diesem Jahr willst du also fünfmal die Woche zum Sport gehen, mit dem Rauchen aufhören und den Kleinkrieg mit deiner Schwester beenden. Ganz sicher.
Nach spätestens einer Woche rauchst du so viel wie immer, von deinen Sportvorsätzen ist nur die Monatsgebühr für das Fitnesscenter geblieben und deine Schwester verstehst du dich noch immer nicht. Fange mit kleineren Vorsätzen an und steigere dich kontinuierlich!

War doch klar, dass du es nicht hinbekommst, oder?

Der Fehler liegt in der Sache selbst verborgen. Aber das weißt du genau. Eigentlich wolltest du unterbewusst nur das bekannte Bild, dass du von dir selbst hast, bestätigen. Auch wenn dieses Bild kein positives ist. Aus diesem Grund bewirbst du dich für Stellen, für die du nicht qualifiziert bist oder die eine unnötige Pendelei mit sich bringen, verliebst dich grundsätzlich in unerreichbare Personen und nimmst dir Sachen vor, die einfach nicht zu schaffen sind.

Um dein Leben wirklich zu ändern musst du neue Gewohnheiten in dein Gehirn einschmuggeln. An dem breiten Türsteher vorbei, der die Ressourcen deiner grauen Zellen schützen will. Für ihn kommt nur das infrage, was er kennt und was schon immer so war. Wenn du also mit einer ganzen Clique an Vorsätzen in seine heiligen Hallen ziehst, schaut er sich das zwar erst einmal in Ruhe an, sobald du jedoch etwas unaufmerksam bist, schmeißt er die ganze Horde raus.

Nimm dir kleine Dinge vor und übe daran, am Ball zu bleiben! Nicht fünfmal die Woche Joggen, sondern erst einmal dreimal die Woche Spazieren gehen mit Jogging-Option. Darin kannst du viel schwerer versagen und gewöhnst dir neue Gewohnheiten an, die sich nach und nach fest in deinen Alltag etablieren.