Wetten wir, Du bist dir selbst nicht bewusst was für ein toller Mensch du bist? Viel zu oft passiert es uns, dass wir vergessen wer wir sind und was uns ausmacht. Du bist zielstrebig aber machst dir vorher viele Gedanken welches Ziel du überhaupt ansteuern sollst. Gesundheit und Familie sind für dich die wichtigsten Werte. Vermutlich verhältst du dich in Gruppen extrovertiert und aufgeschlossen aber von Zeit zu Zeit ziehst du dich zurück und redest weniger. Du fragst dich jetzt sicher wie es sein kann, dass wir alle diese Informationen über dich zusammen getragen haben. Dabei sollte die Frage eigentlich gar nicht sein, woher andere Personen solche Details über dich wissen sondern warum du denkst, dass du selbst mit der Beschreibung gemeint bist. Was uns schmeichelt, lesen wir gerne und bleibt uns im Kopf. Womit wir uns nicht identifizieren, blenden wir gekonnt aus und lesen darüber hinweg als hätten wir eine Art kognitiven Spamordner, der für uns die Informationen schon bei der Aufnahme filtert. Liegt das daran, dass wir alle narzisstisch veranlagt sind? Oder sorgt unsere selektive Wahrnehmung dafür nur das zu hören, was uns gut tut?

Jeder ist beim Durchblättern einer Zeitschrift schon einmal bei den Horoskopen gelandet und hat sich in der Beschreibung seines Sternzeichens erkannt gefühlt. Warum diese Beschreibungen so passend erscheinen, liegt in den meisten Fällen am so genannten Barnum-Effekt. Dieser beschreibt den psychologischen Vorgang, wenn wir vage oder allgemein gültige Aussagen über uns selbst hören und diese für zutreffend empfinden. Die für uns scheinbar passende Beschreibung liegt weniger an der angewandten Methode, vielmehr hängt es mit der persönlichen Zustimmung zu den Aussagen zusammen.

Barnum-Effekt

Phineas Taylor Barnum gründete im 19. Jahrhundert ein Kuriositätenkabinett in New York mit dem Anspruch „für jeden etwas anzubieten“. Dieser Grundgedanke führte dann zur Namensgebung des psychologischen Phänomens. Als Synonym für den Barnum-Effekt gilt der Forer-Test, der auf den amerikanischen Psychologen Bertram R. Forer zurück geht. 

Forer ließ eine Gruppe von Studenten einen Persönlichkeitstest ausfüllen und sendete diesen eine persönliche Auswertung des Tests zurück. Daraufhin sollten die Probanden eine Bewertung abgeben, wie zutreffend diese Analyse ihre eigene Persönlichkeit beschreibt. Auf einer Skala von 0 bis 5, gab die Studentengruppe mit einem Schnitt von über 4 Punkten an den Test für sehr zutreffend zu halten. Entscheidend für die Forschung zum Barnum-Effekt war dabei die Tatsache, dass alle Teilnehmer den exakt gleichen Text zugeschickt bekommen hatten. Somit konnte Forer nachweisen, dass sich Menschen in allgemein gefassten Aussagen wieder finden können, weil sie diese als sehr persönlich wahrnehmen werden. 

Solche Barnum-Aussagen können beispielsweise wünschenswerte, positive Eigenschaften enthalten. Wenn man liebenswert und zielstrebig genannt wird, stimmt man wohl in den meisten Fällen zu. Nicht, weil man sich differenziert damit auseinander setzt aber weil wir diese Eigenschaft an uns gerne sehen wollen. Gleiches gilt auch für allgemeine Ängste und Sorgen, die unsere Gesundheit betreffen. Wenn wir gefragt werden, würden wir wohl nie verneinen, dass sie uns am Herzen liegt, auch wenn unser Lebensstil anderes aussagen würde. Am deutlichsten wird der psychologische Effekt bei sehr ungenauen Sätzen. „Sie gehen nicht gerne hohes Risiko ein“ lässt dafür den nötigen Spielraum offen, weil die Höhe des Risikos ein individuell festlegbaren Wert darstellt. Risiko ja aber zu hohes Risiko hat keiner gerne.

Selektive Wahrnehmung und Bestätigungsfehler leiten uns in die Irre

Siehst du etwas, was wir nicht sehn? Garantiert. Das jedem bekannte Kinderspiel verdeutlicht die Funktionsweise des Barnum-Effekts am deutlichsten. Bekommst du die Farbe blau gesagt, wirst du aus vollem Tatendrang alle andersfarbigen Gegenstände ausblenden. Wenn du dich im Raum umschaust, übernimmt die selektive Wahrnehmung. Solang du nach der Farbe gelb suchst, wird dein Hirn automatisch alles andere ausblenden, egal welcher Größe und Form. 

Auf der einen Seite richtest du also dein Denken dem Ziel unter. Bekommst du gesagt, dass du ein ordentlicher Mensch, wird der Barnum-Effekt dir aber noch in einer weiteren Hinsicht entgegen kommen. Anstatt sich kritisch damit auseinander zu setzen, vereinfacht sich dein Denkvorgang und sucht für Belege für diese Aussage und geht somit nicht den schwereren Weg diese anzuzweifeln. In der Psychologie nennt sich das Bestätigungsfehler. Sofern das Gesagte mit deiner persönlichen Meinung überein stimmt, kannst du das also in dieser Weise schneller abhaken. 

Am effektivsten ist der Effekt deshalb aber auch, wenn man ihn nicht kennt. Ist man sich dessen bewusst, wird man seine Wahrnehmung eher darauf ausrichten und Aussagen kritisch hinterfragen. Eine gewisse gesunde Grundskepsis schützt einen außerdem davor zu glauben, was dem kleinen Narzissten in uns gefallen würde. All zu vage und allgemein gültige Beschreibungen, wie sie in Persönlichkeitstests vorkommen, können dich in Zukunft so nicht mehr grundlos verblüffen. Du wirst an diesen Artikel denken, spätestens wenn du das nächste Mal einen Glückskeks öffnest.