Viele kennen es und du hast es vielleicht auch schon erlebt: das ungeliebte Lampenfieber. Doch was die meisten nicht wahrhaben wollen – Lampenfieber ist durchaus positiv. Denn es macht wach, hält die Konzentration, dank der Ausschüttung jeder Menge Adrenalins, beispielsweise vor einem Auftritt, einer mündlichen Prüfung oder einer Rede (Präsentation) hoch. Eine Spannung, die immens wichtig dafür ist, dass wir in Topform und als Agierende präsent sind. Im Normalfall geht das Lampenfieber schnell vorbei, meist sobald der Protagonist auf der Bühne, vor den Prüfern oder dem Publikum steht.

Aber was passiert, wenn das nicht der Fall ist? Zittrige Hände und Hitzewallungen sind nur einige der Symptome, die den Betroffenen plagen können. Studien zufolge sind rund 40 Prozent der Menschen von der sogenannten „Logophobie“ betroffen. Auch wenn der Kopf weiß, dass die Angst unbegründet ist, passiert im Inneren genau das Gegenteil: Er versetzt den gesamten Organismus in Alarmbereitschaft.

Ursachen der Präsentationsangst

Unter Präsentationsangst (auch Redeangst) versteht man eine eher irrationale Angst, sich vor anderen Menschen zu präsentieren oder etwas vortragen zu müssen. Jüngere Forschungsergebnisse besagen, dass diese Angst in den Teilen des Gehirns gelagert ist, die für adäquate Reaktionen in Gefahr (sprich: das Überleben sichern als instinktive Handlung) zuständig sind. Früher entschieden diese Reaktionen noch ganz real über Leben und Tod (erledige ich den Bär oder er mich). Aber auch heute hat es einen ganz klaren Bezug: in einer Notsituation handeln Menschen meist intuitiv richtig. Und das ist auch gut so. Aber woher kommt diese Angst, vor Menschen zu stehen und etwas zu präsentieren? Die Ursachen dafür können vielfältig sein. Meist sind sie in der Kindheit oder Jugend zu finden.

Bist du irgendwann in deiner Kindheit mal in einer Situation gewesen, in der du etwas vorgeführt hast und dabei ist etwas schief gegangen? Oder wurdest du in der Schule gehänselt, geärgert oder hat jemand über dich gelacht? All diese Situationen hat das Gehirn als so genannte Gefahrensituationen abgespeichert. Was dann passieren kann, vor allem wenn man sich nicht damit auseinander setzt, was bei Kindern ja eher nicht der Fall ist: Diese als negativ empfundenen Erfahrungen konnten nicht richtig verarbeitet werden. Man fängt an, sie zu verdrängen oder zu ignorieren. Auf jeden Fall wandern diese Erfahrungen in den unbewussten Bereich der Psyche und brechen dann im Erwachsenenalter wieder hervor – in unserem Falle als Präsentationsangst. Die meisten Menschen können sich dann nicht erklären, warum sie darunter leiden, eben weil sie diese Ängste verdrängt haben. Die konkret benannten Situationen aus der Kindheit haben letztlich dazu geführt, dass sich die Angst vor Ablehnung, nicht anerkannt zu werden, zu versagen, ausgelacht zu werden oder nicht gut dazu stehen so weit manifestiert haben, dass sie einen später hemmen und blockieren.

Häufige Symptome sind:

  • Zittern
  • Anspannung
  • Nervosität und innere Unruhe
  • hoher Puls und Schwindelgefühle (Ohnmachtsgefühl)
  • Herzklopfen
  • Stottern oder das Gefühl, kein Wort sagen zu können, Versagen der Stimme
  • Schweißausbrüche
  • Panik
  • Das Gefühl eines Blackouts
  • Das starke Gefühl, flüchten zu müssen/zu wollen

Wie kannst du diese Ängste lösen

Die Fähigkeit, sich selbstbewusst präsentieren zu können, ist in den meisten Berufen unerlässlich für die Karriere – ob in der Wirtschaft, im Privatunternehmen oder als Selbständiger – es gibt genügend Situationen, in denen es sich nicht vermeiden lässt, vor anderen zu sprechen oder zu überzeugen und sich in Szene zu setzen. Gibt es hier Defizite, ist das Bestehen im beruflichen Alltag ungemein schwer.

Um diese Ängste und Schwierigkeiten gänzlich heilen zu können, würde sich sicher eine Aufarbeitung der Kindheitserfahrungen, beispielsweise in Form einer Verhaltenstherapie oder eines Coachings anbieten. Aber nicht jeder, der davon betroffen ist, wird sich einer solchen unterziehen wollen. Glücklicherweise gibt es aber eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie diese Ängste soweit gelöst werden können, damit auch Betroffene lernen, mit diesen Situation umzugehen:

Im Vorfeld

Bereite dich gut vor – das ist schon die halbe Miete. Formuliere klare Inhalte und schreibe auf, was du sagen möchtest (Botschaft). Gebe deiner Präsentation eine Struktur, folge einem roten Faden und mache am Ende eine Zusammenfassung mit den wichtigsten Stichpunkten. Es empfiehlt sich, auch zuhause zu üben und unter Umständen ein Video zu machen, das du dann auswerten kannst.

Bevor es losgeht

Raus in die Natur – wenn möglich gehe kurz vorher an die frische Luft, mache einen Spaziergang oder setze dich auf eine Bank. Vermeide Kaffee, Cola, Alkohol oder Nikotin. Das macht dich nur noch  nervöser.

Entspannung – hierfür eignet sich eine spezielle Atemübung, die du zu jeder Zeit anwenden kannst: Normal einatmen, etwas länger ausatmen und dann für einige Sekunden die Luft anhalten. Dies solltest du so lange machen, bis eine Entspannung spürbar eintritt. Zusätzlich hilft sicher auch regelmäßiges Yoga, Tai Chi oder Autogenes Training.

Wenn es dann endlich losgeht

Suche Blickkontakt mit den Anwesenden – ein offener Blick, ein Lächeln kann wahre Wunder wirken. Traust du dich nicht, jemanden direkt anzusehen, stelle die Augen auf „unscharf“ und visiere dann einen Punkt im Publikum an.

Sei ehrlich – es ist viel besser, seine Angst offen zuzugeben, als verkrampft nach Worten zu ringen, die deine Nervosität überspielen sollen. Ehrlichkeit ist hier die beste Devise und bringt dir sicher Sympathiepunkte (zeugt von Mut) ein und lockert die Atmosphäre. Ist die Angst erst mal zugegeben, löst sie sich meist schon zu einem großen Teil auf.

Sei aufmerksam – durch den Versuch, die Angst zu ignorieren, löst sie sich nicht. Ganz im Gegenteil – sie wird eher verstärkt. Also, sei auch ehrlich zu dir selbst und gestehe dir ein, dass du nervös bist. Auch in diesem Moment hilft die oben genannte Atemübung.

Lass dich nicht entmutigen, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Es geht nicht von heute auf morgen. Aber je mehr du dich an diese Tipps hältst, desto mehr wirst du dich mit der Zeit entspannen.